Biotope und Wirbellose in Mauritius

    Fotogalerie

    Schon länger hatte ich den Wunsch, die "grüne" Vulkaninsel im indischen Ozean mit den tollen Katalogfotos zu besuchen. Töchterchen war inzwischen alt genug und so ging es Ende August 2001 auf große Urlaubsfamilienreise. Natürlich hatte ich mich vorher gut vorbereitet und so war neben einem neuen Kescher und Tümpeltüten auch diverse Wassertester, ein GPS-Gerät und ein Notebook im Gepäck. Als Kompromiss an die Mitreisenden wurde die AI-Hotelanlage "La Pirogue" unweit von Flic en Flac an der Westküste gewählt. Dort bezogen wir dann die Hälfte eines schilfgedeckten kleinen Bungalows Die Ankunft war jedoch erst einmal ernüchternd. Der Himmel grau und diesig, es schien grad kurz vorher geregnet zu haben und die Temperatur bei höchstens 24°C. Natürlich war uns vorher bewußt, dass wir zum Ende des mauritianischen Winters ankamen und hofften zumindest auf das baldige Verschwinden der Regenwolken.

    Black River Natur Reservat
    Durch diverse Reiseführer und Karten bestens vorbereitet, sollte es am nächsten Tag gleich auf eine erste Tour in den Nationalpark "Black River" gehen. Doch wie hinkommen? Auf Mauritius herrscht Linksverkehr und aktuelle Mietwagenpreise lagen jenseits der von mir gesetzten Grenze. Also nahmen wir eines der vor dem Hotel wartenden Taxis, was ich anderen potentiellen Reisenden nur empfehlen kann. Die Wagen sind durchweg neuwertig und die Fahrer kennen manche interessante Strecke, die auf keiner Karte steht. Wichtig ist aber, vorher (!) die Tour grob abzusprechen und den Preis festzulegen. Tagesrouten sind kein Problem, wenn die Zwischenpausen nicht länger als 1 Stunde dauern. Ich hatte während meiner Reise zwei feste Fahrer, die sich nach kurzer Zeit an meine Garnelen-Macke und meinem 25 Jahre alten Schulenglisch gewöhnt hatten. blackriver WP004
    WP004 - pH 7,7 - LW 145µS - 21,9°C
    Das Black River-Naturreservat ist das wohl größte Gebiet der Insel mit noch zusammenhängender, halbwegs ursprünglicher Vegetation. Der größte Teil auf Mauritius wurde in den vergangenen Jahrhunderten der Landwirtschaft nutzbar gemacht. Zuckerrohrfelder (auch grün) prägen daher weitgehend deren Aussehen. Sehr ernüchternd übrigens.
    blackriver WP006 Auf dem Weg zum Reservat über privatem Gelände gab es einen ersten Stop an einer Anstauung des Black Rivers (WP004). Hier wurde ich zum erstenmal mit der fehlenden Wasservegetation konfrontiert, wenn man von einigen Ufersumpfpflanzen absieht. Im relativ klaren Stauwasser konnte ich einige größere, barbenähnliche Fische erkennen. Am Eingang zum Reservat befindet sich ein noch teilweise im Bau befindliches Besucherzentrum. Hier war auch eine sehr hilfreiche Schautafel mit vorhandenen Süßwasserschnecken zu finden. Der anschließende Weg schien ein (fast) ausgetrocknetes Flußbett zu sein, der zu anderen Zeiten recht viel Wasser zu führen schien. Immerhin speisten die vielen kleinen Rinnsale den Black River, der an seiner von Wehren unterbrochenen Mündung einige Meter breit war. Einige 100 Meter südlich des Eingangs fand ich in einem pflanzenlosen, wenige Zentimeter flachen Bachzulauf (WP006) die ersten Neritina gagates, ca 2cm große schwarze Schnecken, die auch im Brackwasser vorkommen. Immerhin war der Standort ca. 7km von der Mündung entfernt. entfernt.
    WP 006 - ph 8,1 - LW 150µS - 21,1°C
    KH 2,5 - GH 3

    blackriver 3 blackriver 4 blackriver 5

    Einzigster Fundort von Garnelen war eine kleine ruhige Einbuchtung am Rande des Hauptbaches (WP007). Einige Kescherzüge im dichten Algengestrüpp des ca. 20cm flachen Wassers förderten 1,5-2cm kleine, glasartige Garnelen zutage. Unter den knapp 30 gefangenen Tieren waren auch einige trächtige mit großen, dunkeln Eiern. Durch ihre Körperform errinnern sie weniger an Caridina-Arten, sondern eher an Vertreter der Macrobrachium, wenn auch deutlich kleiner. Obwohl die Tiere Flockenfutter annahmen und trotz täglichen Wasserwechsel der Aufbewahrungsbehälter mit Quellwasser konnte ich nur zwei Tiere lebend nach Deutschland bringen. Ein nochmaliger Besuch des Standortes verbot sich leider aus Kostengründen (ca 100DM Taxi). blackriver WP007
    WP007 - pH 7,6 - LW 125µS - 21,6°C
    KH 2° - GH 2°
    Ein Besuch des Reservats ist jedem Inselbesucher zu empfehlen. Wer genügend Zeit und Kondition mitbringt, kann hier stundenlang wandern, auch wenn die Vegetation nicht unbedingt den Vorstellungen eines "tropischen Urwaldes" entspricht. Vom Aussichtspunkt (WP030) hat man eine wunderbare Sicht über den gesamten Nationalpark bis hin zum Meer.

    blackriver WP030

    Casela Vogelpark
    casela WP002 Ursprünglich als reiner Vogelpark angelegt, hat sich der Casela-Park unweit von Flic an Flac inzwischen zu einem kleinen Zoo entwickelt (relativ große Riesenschildkrötengruppe). Einer meiner Fahrer hatte mir den Park auf der Suche nach Garnelen (Camaroons) empfohlen. Offenbar lag aber ein Mißverständnis vor, den der Park warb mit selbstgefangenen M.rosenbergiis für den Verzehr im parkeigenen Restaurant. Ebenso wie das Angeln von Tilapien, die fast überall angetroffen wurden, eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Mauretanier. Allerdings waren die terrassenförmig angelegten Becken (ohne Sonnenschutz) gesperrt und ohne jeglichen Besatz. Gleiches Bild ergab sich auch bei einem Besuch eine Woche später. Immerhin findet man hier aber die seltene Rosa Taube (Pink Pingeon, Nasoenas mayeri), eine endemische stark gefährdete Art, von der es vor einigen Jahren nur noch 15-20 Exemplare gab. Dank Zuchtprogramm sind es inzwischen wieder mehr als 300 Tiere.
    Erstaunt war ich etwas, an einem Teich innerhalb der Parkanlage wohlbekannte Schneckengelege zu entdecken. Die rosafarbenen Trauben konnten nur von Apfelschnecken der südamerikanischen Gattung Pomacea stammen, offenbar hatte sie es auf ihrem weltumspannenden Weg nun auch bis nach Mauritius geschafft.
    WP 002 - Angelbecken für Macrobrachium rosenbergii
    Pomacea Eier
    Apfelschneckengelege in Casela
    An anderen Wasserstellen konnte ich dann auch größere Tiere mit gelben Gehäuse feststellen, die aber vorher offenbar Opfer von Vögeln oder anderem Getier wurden und entsprechend zugerichtet aussahen. Lebende Tiere im Wasser konnte ich nicht entdecken.
    Auf der Suche nach einem solchen halbtoten Tier in einem kleinen Bach stiess ich dann überraschend auf eine größere Ansammlung der bereits bekannten Neritina gagates.
    Pomacea spec. Pomacea spec.
    Pomacea spec. neritina Biotop Die Tiere traten dabei konzentriert an einer engen Stelle unter herabhängenen Uferpflanzen des ansonsten pflanzenlosen kleinen Wasserlaufes auf, wie ich es später an anderer Stelle nochmals beobachten konnte. Ansonsten sind in den parkeigenen Wasseranlagen neben den auf der Insel allgegenwärtigen Tilapien, Guppys und Schwertträgern noch Guramis (Osphronemus goramy) und Gabelbärte zu sehen.
    Im Eingangsbereich konnte ich mehr als 1 Meter lange imposante Fische beobachten, die aus trockener Sicht schwer zuzuordnen waren. Offenbar sind sie zu den Karpfenfischen zu zählen. Ob es sich hier um die heimischen Chitte (Agrostomus telfairii, A. dobuloides) oder um den mauretanischen Karpfen (Dules rupestris) handelt konnte ich nicht ermitteln.

    Krokodilfarm La Vanille
    Die Krokodilfarm (WP010) auf dem Gelände einer ehemaligen Vanilleplantage entstand vor ca. 20 Jahren zum Zwecke der Lederproduktion. Inzwischen hat sich die Farm an der Südküste in der Nähe des Rivière des Anguilles (Aalfluß) zu einem kleinen Tierpark und Touristenmagnet entwickelt. Die Zufahrt ist etwas holprig und führt in ein (im Gegensatz zur übrigen Umgebung) relativ dicht bewachsenes Gebiet (Sekundärwald?). Neben ausgewachsenen Nilkrokodilen (aus Madagaskar) kann man in diversen Aufzuchtstationen Tiere aller Alterstufen beobachten. Madagassische Sternschildkröten und riesige amerikanische Ochsenfrösche sind neben Schmetterlingspark und der sehenswerten Insektenausstellung weitere Attraktionen. achatschnecke
    WP 010 Achatschnecken
    Innerhalb der Farm fiel mir die Vielzahl von Achatschnecken (Achatina fulica?) mit Gehäuselängen bis zu 12cm auf. Aber ihre Schönheit sollte nicht über den angerichteten Schaden hinwegtäuschen, den sie auf ihrem Weg um die tropische Welt anrichtet. Interessant war übrigens zu beobachten, dass sich Achatschnecken auf den Hotelgelände auf einem Baum konzentrierten. Sie waren hier auch in mehreren Metern Höhe anzutreffen, während am Boden kaum welche zu finden waren.

    Rochester Falls
    Die Zufahrt zu den bekannten Rochester Falls (WP 013) im Süden der Insel führt über eine unwegsame oder eine unbequeme Strecke. Mein Fahrer wählte letztere quer durch ein Zuckerrohrfeld. An einer kleinen Lichtung hielt er, ohne dass von den Fällen etwas zu sehen war. Von hier führte ein schmaler Weg durch Zuckerrohr hinunter zum Wasser, wo sich der Rivière Savanne mehrere Meter tief in ein Becken ergiesst. Das Wasser war relativ klar und ohne Vegetation.
    Der R. Savanne fließt von hier weiter zur ca 1,5 km entfernten Küste. An der abgebildeten Stelle war er stellenweise bis zu einem Meter tief und von reißender Strömung. Auch hier keinerlei Vegetation im Wasser. Dafür konnte ich mehrere ca 6-7cm große braune Bodenfische beobachten, die sich aber jedem Fangversuch sofort durch Flucht in kleine Geröllspalten entzogen. Ich vermute, es handelte sich bei den Tieren um den "Cabot" bzw. "Bichique" (Sicyopterus lagocephalus), einer kleinen heimischen Groppe.
    An gleicher Stelle fand ich auch erfreulicherweise meine schwarzen Neritina gagates wieder. Wie schon an einem anderen Standort auch hier versammelt an einer Stelle. Dafür aber zum ersten Mal Tiere verschiedener Größen. Die kleinsten maßen 3-4 mm. Trotz der Küstennähe erscheint es mir aufgrund der Strömung und einiger Hindernisse wie Wehre unwahrscheinlich, dass diese Tiere ein marines Stadium durchgemacht sollten.
    Rochester Falls WP 013
    WP 013 - pH 7,9 - LW 103µS - 20,3°C
    KH 1,5° - GH 1,5°
    R. Savanne
    Abfluß des R. Savanne
    Oberhalb des Wasserfalls (links) bot sich ein ruhigeres Bild. Hier gab es aber wenigstens dichte fadenartige Grünalgenpolster. An anderen Stellen (Mitte und rechts) bot der R. Savanne das typische Bild eines kleinen mauritianischen Flusses mit den herzförmigen Blättern von Colocasia esculenta am Ufer.
    Oberlauf R. Savanne I R. Savanne II

    Garnelenfarm Le Val
    Anfahrt Le Val ist eine kleine tierparkähnliche Anlage im mittleren Südosten der Insel. Einheimische fangen hier gerne Tilapien und Garnelen aus den angelegten Teichen zum eigenen Verzehr im Restaurant "La Rosenbergii". Die Fahrt von der sonnigen Westküste durch das Hochland führte durch mehrere Klimazonen und zeigte deren wechselhafte Vielfalt auf. Wenige Kilometer nach Flic en Flac zogen bei Curepipe dicke Regenwolken (mit Platzregen) auf, die sich weiter in Richtung Süden auf der Autobahn jedoch wieder auflockerten. Auf unserem weiteren Weg durch Zuckerrohrfelder vor dem nächsten Felsenmassiv dann wieder heftigste Regenfälle, die jedoch (wie vom Fahrer versprochen) auf der anderen Seite in Le Val aufhörten. Spät am Abend wieder im Hotel stellten wir erstaunt fest, dass dort nicht ein Tropfen Regen niedergegangen ist.

    Eigentlich wollte ich hier ja endlich die mir in Casela entgangenen Macrobrachium rosenbergii sehen. Durch ein verbales Mißverständnis bekam ich gegen ordentliches Entgelt jedoch eine lange Angelrute nebst Brotbrocken und einen Tilapienteich für eine Stunde zugewiesen. Mein Kescher erschien sehr unerwünscht und so verschwand er wieder im Auto. Ich hatte noch nie geangelt (und wollte dies eigentlich auch nicht) und so zog ich recht lustlos mit der Rute durch das Wasser. Nachdem ich 3 halbwüchsige Tilapien gefangen hatte (und wieder dem Wasser übergab) verlor ich entgültig die Lust und zog weiter auf der Suche nach Garnelen.

    Anfahrt im Hochland
    Anlage
    WP 019 künstliche Teiche mit Kresse
    Nach Aussage des diensthabenen Chefs befanden sich die M.rosenbergii´s in einem separaten Teich, der mit Booten zu befahren war. Er war jedoch nicht bereit, nur zur Ansicht Tiere fangen zu lassen und so gab ich mein Ansinnen denn bald auf. Die M.rosenbergii werden als nicht einheimische Art übrigens in großer Zahl in Mauritius gezüchtet. Die Produktion soll bei 12 Tonnen je Hektar liegen.

    Neben den künstlich angelegten Teichen enthielt die Anlage einige sehr sehenswerte Biotope. Diese waren offenbar aber zumindest teilweise künstlich bepflanzt worden. Neben herrlichen Polstern von Javamoos konnte ich in einem Bach rotbraune Blyxa (?) , in einem anderen Limnophila (?) oder eine nicht näher bestimmbare Wasserpest (?) und vieles anderes ausmachen. Wahre Garnelen-Eldorados, die aber mangels zurückgelassenen Keschers nicht näher untersucht werden konnten.
    Trotzdem war der Besuch erfolgreich, konnte ich hier doch an einem Zulaufkanal zu den Teichen die gestreifte Schnecke Bellamya bengalis entdecken. Die Tiere hielten sich vorwiegend im flachen Zuflußbereich des Kanals auf. Im Kanal selber waren vorwiegend nur leere Gehäuse zu finden. Die hier gefundenen Tiere waren eher bräunlich, später fand ich noch Tiere mit grünlicher Grundfärbung. Sie sind offenbar lebendgebährend.

    Le Val I
    natürlicher Zufluß
    Le Val II
    javamoospolster

    Port Louis
    Ein Wirbellosen-Biotop in Port Louis (WP024) an der Nordküste? Richtig, neben einem renomierten Naturkundemuseum (Fotoverbot) mit einer Dodo-Rekonstruktion und reichlicher Muschel- und Schneckensammlung sowie dem Postmuseum mit den berühmten Briefmarken hat Port Louis auch einen großen alten Markt.
    Markt I Markt II Markt III
    Hier fand ich die meisten Zwerggarnelen auf engstem Raum versammelt. Leider schon vorgegart und mit Peperoni geschmückt. Die Mauritier nehmen die Garnelen püriert mit den Peperoni gerne als männliches Stärkungsmittel zu sich. Die angebotene Menge war schon erstaunlich, da ich bei meinen Streifzügen stets nur einzelne Tiere im Kescher fand. Nach Auskunft meines Fahrers werden sie im Hochland gefangen. Dabei wird ein großes Netz von zwei Leuten langsam durch Wasserpflanzen (Algen?) gegen den Strom gezogen
    Wer schon mal hier ist, sollte auch die gegenüberliegenden Markthallen für Fisch und Fleisch besuchen. Neben Thun- und Tintenfisch sind auch Fische im Angebot, die wir eher aus Aquarien kennen. Zartbeseiteten Gemütern ist allerdings vom Besuch abzuraten.

    La Ferme Bassin
    Auf der Suche nach der einzigen auf den Maskarenen endemischen Garnele, von den Einheimischen als "The Bètangue" (Macrobrachium hirtimanus) bezeichnet, gelangte ich zu einer Fischfarm (WP032) am großen La Ferme Bassin bei Bambous. Die gesuchte Garnele ist 4-5cm groß und hat als typisches Merkmal äußerst dicke Scherenarme. Sie soll unter größeren Kieselsteinen in flachen Flüssen mit starker Strömung zu finden sein. Nachfragen meines Fahrers im Bekanntenkreis führten zu besagter Fischfarm. Der erste Versuch misslang, da Wochenende war und der Chef recht unwirsch wirkte. Ein nochmaliger Fotovergleich mit einem Farmmitarbeiter bestätigte, dass die gesuchte Garnele hier zu finden wäre. Bei der Untersuchung des Baches am Eingang dann eine große Überraschung. Neben (leeren) Gehäusen der Bellamya bengalis fand ich eine recht frische Exuvie vom Red Claw (Cherax quadricarinatus), der eigentlich in Australien herumkrebsen sollte. Damit wäre meine Frage, ob es Krebse auf Mauritius gibt, auf überraschende Weise geklärt. Beim zweiten Besuch einige Tage später dann die unerfreuliche Aufklärung: stolz präsentierte mir der Chef in einigen Becken ohne Einrichtung ein paar ramponierte mittelgroße Cherax quadricarinatus! La Ferme Bassin
    La Ferme - pH 7,1 - LW 296µS - 24,5°C
    Zulauf
    WP 032 - pH 7,5 - LW 313µS - 23,5°C
    Bach zum See am Eingang der Fischfarm
    Krebsteich Das waren also die per Foto von mehreren Einheimischen eindeutig identifizierten Großarmgarnelen. Meine Enttäuschung war groß und die verbleibene Zeit reichte nicht mehr, um auf auf weitere gezielte Suche zu gehen. Die Krebse werden in größeren Teichen zu Speisezwecken gezüchtet. Die teiche entwässern offenbar in den See. Es verwundert natürlich nicht, dass einzelne Tiere entweichen. Weitere negative Auswirkungen auf die durch Importe schon arg gebeutelte Natur bleiben abzuwarten. Vermutlich werden endemische Nischentiere gänzlich verschwinden. Bleibt noch zu erwähnen, das den Mitarbeitern auf der Farm nach eingehender Diskussion die einheimische kleine "Bètangue"gänzlich unbekannt war.
    Zuchtteich für Krebse
    Der See selber wird zumindest an seiner Ost- und Südseite von dichtem Bewuchs begrenzt. Was von der Ferne als fester Boden erschien, erweist sich in der Nähe als knie- bis metertiefes verkrautetes Wasser. Garnelen konnte ich hier nicht nachweisen, wohl aber einen Kärpfling. Vermutlich handelte es sich um Gambusia affinis, die in früherer Zeit auf Mauritius ausgesetzt wurden. An der Zufahrt zur Fischfarm kam ich nicht nur an einer Rinderfarm vorbei, sondern traf auch Angler, die aus einem schnellfließenden Bach halbwüchsige Karpfen zum Weiterverkauf fingen.
    Uferbereich Gambusia affinis ? Karpfenangler
    Am Abzweig der Landstraße zum Feldweg Richtung Fischfarm gab es einen im Uferbereich relativ dicht bewachsenen schnellfließenden Fluß, der offenbar auch zur Bewässerung angrenzender Felder diente. Nach Auskunft eines Feldarbeiters findet man hier aber keine Garnelen (Prawns), höchstens Tilapien.

    Bambous
    Bambous Fluß Einige Kilometer nördlich von Flic en Flac in Richtung Port Louis kommt man auf dem Weg zum La Ferme Bassin durch das Städtchen Bambous. Hier war einst einer der Ursprünge von gefürchteten Malaria-Epedemien, die jedoch inzwischen dank ausgesetzter Guppys, Platys, Schwertträger und Gambusen gebannt ist. Obwohl der Fluß auf den ersten Blick sehr vielversprechend aussah, konnten hier keine Garnelen gefunden werden. Selbst im Bereich der (eingeführten) Muschelblumen fanden sich neben Müll nur Tilapien-Jungfische. Das nördliche Ufer war abgezäunt, was jedoch Einheimische offenbar nicht davon abhielt, am Fluß ihren Müll zu hinterlassen.
    Fluß in Bambous
    Kurz vor Ortseingang aus Richtung Süden kommend vor einer 90°-Kurve befindet sich jedoch ein interessanter kleiner und ruhig dahinfliessender Bach (WP 033) von 20-30 cm Tiefe und begradigtem Flussbett. Unter den erwarteten Polstern aus langen, fädrigen Algen fand ich hier eine merkwürdige und sehr zerbrechlich wirkende Pflanze, die entfernt an eine "Hydrotriche" erinnerte. Andere Wasserpflanzen waren nicht vorhanden. Zwischen den Algenpolstern konnte ich (vereinzelt) farblose Zwergarnelen fangen, die sich aber auf Grund des fehlenden Rückenhöckers grundlegend von denen des Black River unterschieden und eher der Gruppe "Caridina" zuzuordnen sind. Die Tiere haben sich inzwischen im heimischen Artbecken gut vermehrt. Bach vor Bambous
    WP 033 - pH 7,2 - LW 425µS - 25,2°C
    KH 6° - GH 8,5° - NO3 10-20

    Riviére du Rempart an Kreuzung B2
    Der R. du Rempart entspringt irgendwo zwischen Vacoas und Curepipe und mündet dann in der Nähe von Tamarin in den Ozean. An einer markanten Kreuzung der B2 (links gehts nach Palma) befindet sich ein hinduistischer Treffpunkt, an dem wohl regelmäßige Festivals veranstaltet werden.
    Zumindest schien der viele zurückgelassene Unrat in und am Wasser für rege Besuchertätigkeit zu sprechen, was jedoch nicht davon abhält hier Wäsche zu waschen.
    Das Ufer ist teilweise dicht mit Colocasia bewachsen, die Breite des Flusses beträgt am Standort zwischen ca 1-3 Meter. Gefunden wurde hier die bereits bekannte Schnecke Bellamya bengalis in ihrer grünlichen Form (wie im Bach bei La Ferme) und farblose Zwerggarnelen. Ich nahm an, dass es sich um die gleichen wie in Bambous handelte. Ein späterer Vergleich ergab jedoch ein deutlich kürzeres Rostrum, vermutlich eine andere Art.
    R. du Rempart
    WP 037 - pH 8,0 - LW 239µS - 26,2°C
    KH 4° - GH 4,5° - NO3 ~10

    Eureka
    Wasserfall Eureka In der Nähe von Port Louis befindet sich eine alte Villa, früher Domizil des englischen Könighauses. Ein Spaziergang vom Garten des Hauses (extra Eintrittspreis) über einen einfachen Weg durch Mischwald den Berg hinunter führt zu einem idylischen Flecken mit Wasserfall. Hier waren besonders schöne Algenbestände zu bewundern. Höhere Wasserpflanzen fehlten auch hier. Aber hier fand ich meine von den Rochester Falls bekannte Groppe wieder und konnte sie auf ein (schlechtes) Foto bannen.
    Eureka Wasserfall
    grüne Fadenalgen Staufläche Nebenfluß

    andere Standorte
    Die Kürze der Zeit lies leider eine intensive Untersuchung aller besuchten Biotope nicht zu. Hier daher noch einige Impressionen von den vielen Wasserfällen, die sich aus den Höhenunterschieden zwischen vulkanischem Hochland und flacher Küstengegend ergeben.
    Tamarin Falls Chamarel Falls Alexandra Falls I Alexandra Falls II
    WP 027 Tamarin Falls WP 031 Chamarel Falls WP 029 Alexandra Falls I WP 029 Alexandra Falls II
    Auf den Strecken dorthin wurden noch einige typische Standorte näher betrachtet. Stets waren die fehlenden Wasserpflanzen hervorzuheben. An einigen Stellen mußte auf nähere Untersuchung verzichtet werden, da steile bewachsene Ufer ein weiteres Fortkommen behinderten.
    In diesen Biotopen zwischen den Wurzeln der Colocasia soll die "Chevrette de Songe" bzw. Colocasia Prawn (Macrobrachium australe) heimisch sein, die ich leider nicht auffinden konnte.
    Die Tiefen des Vulkankraters bei Curapipe (WP023) mit seinem auf Katalogfotos aufgezeigtem Kratersee versprachen interessante Entdeckungen. Leider erwies sich bei Ankunft der Kraterboden recht trocken, und ein Abstieg 80 Meter hinunter war nicht möglich.
    typischer Bach


    Zoogeschäfte
    AQ-Laden Rose Hill Als reisender Aquarianer ist man natürlich auch auf der Suche nach Zoogeschäften. Vom Fahrer empfohlen schien das kleine Geschäft in Rose Hill (WP034) wirklich gut geführt und aufgeräumt. In den sauberen Becken wurden u.a. Goldfische, Haiwelse (naja), Pfauenaugenbuntbarsche, Platys und einige Salmler angeboten. Ein zweites Geschäft in Quadre Bornes (WP035) war eher als Gemischtwarenladen anzusehen. Im hinteren Teil des Ladens wurden in einigen (mangelhaft eingerichteten) Becken (teilweise kranke) Fische angeboten, während im vorderen Teil Kindersachen und Spielzeug dominierten.

    Rückblick
    Von der gerühmten grünen Insel ist bei näherer Betrachtung nicht viel übriggeblieben. Die Landschaft wird geprägt von Zuckerrohrfeldern. Da wo gerade geerntet wurde, gähnen braune Felder mit großen Lavasteinen, die oft zu großen Pyramiden aufgeschichtet wurden und so als Wasserspeicher dienen. Ein Teil wird zum Strassenbau benutzt.
    Halbwegs ursprüngliche Gebiete finden sich nur noch in den zwischenzeitlich angelegten Naturreservaten. Die Fauna und Flora der Insel wurde in den vergangenen Jahrhunderten nachhaltig von Fremdimporten beeinflußt. Drastisches und bekanntestes Beispiel ist wohl der schon lange ausgerottete Dodo. Der wenigste Teil der anzutreffenden Tiere stammt von der Insel. Ausgesetzte Javahirsche zur Jagd, Nilbarsche als Essen für jederman, lebendgebärende Zahnkarpfen zur Malariabekämpfung, Garnelen und nun gar australische Krebse als Nahrung. Vögel (u.a auch Moorhühner) sind ebenso eingeführt worden wie Amphibien. "the Frog" (Rana mascareniensis) oder der lärmende "the Toad" (Bufo gutturalis) dienten u.a. zur Bekämpfung von Insektenplagen. Bucht R. Tamarin
    In den letzten Jahren wurde die Dringlichkeit des Naturschutzes von einigen Stellen zum Glück erkannt. Beste Beispiele sind neben dem Anlegen und Ausweiten von Reservaten auch das Zuchtprogramm zur fast ausgerotteten Rosa Taube oder die Neuanpflanzung von vernichteten Mangrovenbeständen.
    Tilapia-Schule Die in den 50`er Jahren von Leo Edgerley (Conservator of Forest in Mauritius!) als Nahrungsergänzung ("to provide a little bit of curry to everybody") eingeführten Nilbarsche (Tilapia niloticus?) sind inzwischen allgegenwärtig und dürften die heimische Fauna nachhaltig geschädigt haben. Daneben sollen noch Tilapia galilei, T. mozambica und T. melanopleura vorhanden sein. Welcher von diesen Arten die rot-schwarz gefleckte Red Tilapia zuzuordnen ist, konnte ich nicht ermitteln. Trotz dieser ernüchternden Erkenntnisse bleibt Mauritius mit seiner bizarren Bergwelt ein lohnenswertes Reiseziel auch abseits der Strände.
    Wie es mit den heimatlichen Gefilden aussieht wurde mir dann beim Landeanflug in Deutschland wieder vor Augen geführt.

    Fotogalerie

    Andreas Karge

    Stand: 05.11.2001