Wir basteln eine Torfkanone

    Das Wasser ist Garnelen nicht zuträglich? Eigentlich habe ich ja Topwasserwerte, zumindest theoretisch. Seit einiger Zeit wird unser Leitungswasser aus zwei Quellen (Colbitz und Lindau) gemischt. Das ist soweit nicht tragisch, allerdings wird zum Schluß per Calciumhydroxid der pH auf 8 eingestellt. Seit dem Zeitpunkt der Wassermischung kämpfe ich mit Problemen in der Garnelenzucht. Da keine sonstigen Zugaben an das Wasser erfolgen, kann eigentlich nur der hohe pH Ursache für diverse Probleme mit den Garnelen sein.

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      Nun gut, vesuchen wir es einmal mit einer Torfkanone. Und zwar einfachster Bauart.
      Wir benötigen dazu ein 125er Abflußohr von 1m Länge, einen dazu passen Verschlußstopfen, ggf. ein Winkelteil und natürlich einen passenden Wasserbehälter. Dazu noch etwas Kleinkram wie Fliegengaze und Filterschwamm oder -watte.

      Beginnen wir den Bastelspaß. Zuerst werden Löcher in den Abschlußstopfen gebohrt. Anschließend wird ein Stück Fliegengaze passend zurechtgeschnitten und in die Innenseite des Stopfen gelegt. Die Gaze soll gröbere Torfteile zurückhalten, was aber im Prinzip keinen Sinn ergibt. Denn nun kommt in den Stopfen ein passendes Stück Filterschwamm, der bereits feinere Partikel zurückhält. Filterwatte macht es an dieser Stelle natürlich auch.

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    Mit der Vorbereitung des Deckels ist eigentlich schon die wichtigste und schwierigste Arbeit getan. Das Rohr, der Winkel und der Stopfen werden nun zusammengfügt. Dabei die Teile nicht zu fest zusammenstecken. Denn zur Reinigung muß man alles wieder auseinandernehmen.

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    Jetzt kommt die wichtigste Zutat, der Torf. Ich wählte nach einiger Überlegung einen preiswerten 60L Sack aus dem Baumarkt. Zumindest laut Aufdruck sollte er "naturbelassen" sein und keine Düngerzusätze enthalten. Der Torf wird nun in das Rohr bis etwa 15-20cm unerhalb des Randes befüllt. Dabei ruhig nachpressen, damit eine dichte Füllung entsteht.

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    Die geladene Kanone wird nun in einen Behälter zum Auffangen des Wassers gestellt, ich wählte dazu ein 60L Maischefaß. Von oben wird der Wasserschlauch eingeführt und gegen herausrutschen gesichert. Ich habe ihn dazu nur 2-3 mal gerollt, die eigene Spannung hält ihn dann. Trotzdem ist das Gerät natürlich immer unter regelmäßiger Aufsicht. Das Wasser darf nur äußerst schwach in das Rohr laufen, da es ansonsten auch schnell überlaufen würde. Hier muß man einfach etwas experimentieren. Bei mir dauert die Füllung der 60L-Fasses etwa 9 Stunden.

    Das gewonnene Wasser ist leider sehr trübe, gelblich sowieso. Die Trübung verschwindet nach 3-4 Tagen.

    Zum Testen wurden zwei Becken (je 40L) benutzt, die zur gleichen Zeit eingerichtet wurden.
    Beide Becken werden mit Mattenfilter und Luftfilter betrieben.
    Becken 1 enthält handelsüblichen Bodengrund "schwarzer Kies, Aqua Global", Becken 2 enthält Bausand als Bodengrund.
    Gemessen wurde jeweils abends.

    Folgende Werte konnte ich erzielen:

    Ausgangswasser Leitung Kanone Becken 1 Becken 2
    pH Tropfentest 7,5 5 8,0 8,0
    pH Hanna 7,8 4,0 8,1 8,1
    Leitwert µS Hanna 500 340 692 494
    GH 12 5 10 11
    KH 8 0 7 6
    1. Wasserwechsel 20%
    pH 7,1 7,0
    Leitwert µS 595 460
    Tag X+1
    pH Tropfentest 7,5 7,5
    pH Hanna 8,5 8,5
    Leitwert µS 621 462
    GH 8 9
    KH 5 4
    Tag X+4
    pH Tropfentest 7,5 7,5
    pH Hanna 9,0 9,0
    Leitwert µS 625 463
    GH 7 9
    KH 4 4

    Schlußfolgerungen:

  • Der alte pH-Tester Hanna ist hinüber!
  • Der Bodengrund im Becken 1 erhöht den Leitwert.
  • Durch Verschneiden mit Torfwasser kann GH/KH und pH gesenkt werden (aha!).

    Trotz der niedrigen KH reicht offenbar die Huminsäure des Torfwassers nicht aus, den pH bei 7,0 zu halten oder gar in einen leicht sauren Bereich zu bringen. Möglicherweise treiben die Luftheber der Mattenfilter das im Wasser enthaltene Kohlendioxid aus, womit eine wichtige Komponente verlorengeht. Ein kurzer einfacher CO2-FIX nach Krause brachte darüber Gewissheit, der CO2-Gehalt in den Becken ging gegen 0 mg/l.
    Auf einen geplanten 2. Wasserwechsel wurde verzichtet, um die KH nicht zu stark abzusenken.
    In Becken 1 wurde daher versuchsweise über einen einfachen Diffusor Kohlendioxid eingeleitet, der Mattenfilter stillgelegt.
    Nach einem Tag war der pH auf 7,0 gesunken. Die wirksame Fläche des Diffusors betrug allerdings nur 16 cm2. Nach Zuschalten des Lufthebers stieg der pH zwar leicht wieder an, blieb aber unter dem des anderen Beckens.

    Die Wasserwechsel werden zukünftig mit Verschnitt von 20-25% Torfwasser erfolgen. Dazu muß ich mir aber überlegen, wie ich die vielen Kleinbecken preiswert und wartungsarm mit CO2 versorgen kann. Vermutlich werden wieder die 5L-Kanister aus früheren Tagen reaktiviert und eine Ringleitung versorgt die Eigenbau-Diffusoren. Doch das wäre dann schon eine andere Geschichte.

    AK im April 2008